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Zeitschriften beim Discounter

Warum gibt es eigentlich bislang in den Billig-Supermärkten, wie Lidl, Aldi und Penny kein einziges Zeitschriften- und Zeitungsregal?
Die Antwort auf dieser Frage ist relativ einfach. Zum einen wollen die Discounter keine Zeitschriften anbieten und zum anderen liegt die Antwort im Grundgesetz, in welchem die Pressefreiheit verankert ist. In dem Artikel 5 des Grundgesetzes wird den Bürgern in Deutschland garantiert, ungehindert Zugriff auf Informationsquellen zu erlangen. Dazu zählen auch Zeitungen und Zeitschriften. Aus diesem Grund wurde in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg das so genannte Presse Grosso ins Leben gerufen. Dessen wesentliche Aufgabe besteht darin, die bundesweit verfügbaren Verlagszeitschriften und -zeitungen zu beziehen und an den Einzelhandel zu liefern.
Weder Verlag noch einzelne Händler dürfen vom Presse Grosso bevorzugt werden. Zudem muss das Presse Grosso, ausreichende Mengen liefern und die unverkauften Zeitschriften und Zeitungen anstandslos zurücknehmen. Des Weiteren muss das Preisbindungsgesetz bei Verlagserzeugnissen beachtet werden, so dass in Deutschland alle Zeitungen und Zeitschriften den gleichen Preis kosten müssen. In dieser gesetzlich verankerten Preisbindung bei den Verlagserzeugnissen sehen die Discount-Händler einen Strategiebruch, der gegen ein Presseregal spricht.
Das Ziel der Discounter ist es, günstigere Lebensmittel und billige Fast Moving Consumer Goods, wie z.B. Körperpflegeprodukte, Hygieneartikel etc., anzubieten als im übrigen Handel. Dank der Preisbindung ist ein Spiegel oder eine TV Spielfilm im Sonderangebot rechtlich nicht möglich. Ein weiteres Contra-Argument der Discounter ist, dass ein breit gefülltes Pressesortiment viel wertvolle Regalfläche in Anspruch nehmen würde. Diese Regalfläche könne für schnell drehende Produkte effizienter und effektiver eingesetzt werden.

Erste Gehversuche im Zeitschriftenmarkt unternimmt Lidl

Heutzutage kaufen die Konsumenten immer mehr in Billig-Supermärkte ein, so dass die Einkaufsfrequenz im Einzelhandel abnimmt. Dadurch werden immer weniger Zeitungen und Zeitschriften gekauft. Da sich das Kaufverhalten der Konsumenten verändert hat, versuchen die Verlage und Händler mit dem Presse Grosso verstärkt, die Discounter von den Vorteilen eines breit gefächerten Pressesortiments zu überzeugen. Einen ersten Test einer Zusammenarbeit zwischen Verlag und Discounter hat Lidl und der Springer-Verlag im Oktober 2004 gestartet. Dazu wurde die BILD Zeitung an den Kassen der Lidl Filialen ausgelegt. Das Projekt scheiterte im Juni 2005, da Lidl eine rechtlich erforderliche Erweiterung des Zeitschriftenportfolios um regionale Zeitschriften- und Zeitungstitel rigoros verweigerte. Brand aktuell ist nun die Meldung, dass der Billig-Supermarkt einen 2. Test starten möchte, bei dem ein breites Zeitschriftensortiment angeboten wird. Zudem werden in den Ballungsgebieten auch regionale Zeitungen angeboten. Genauer gesagt will Lidl in Neckarsulm in rund 50 Filialen sein Pressesortiment ausbauen. Laut der Lidl "Lebensmittel Zeitung" soll der Testlauf bis zum Ende des Jahres andauern. Das unterschiedliche Sortiment umfasst mit den regionalen Titeln insgesamt ca. 40 bis 80 Titel.
Publikumstitel werden den Gro des Sortiments ausmachen. So erscheinen neben den klassischen Frauentiteln wie "Bunte" auch "Der Spiegel" und die Tageszeitung "Frankfurter Allgemeine Zeitung" sowie mehrere regionale Tageszeitungen. In geeigneten Ballungsgebieten soll auch die türkische Tageszeitung "Hürriyet" ausliegen. Dank der Erweiterung des Zeitschriftenportfolios wird nun die Bild-Zeitung auch weiterhin gesondert an der Kasse ausliegen.
Nichts desto trotz kommen alle übrigen Discounter - vorrangig Aldi - nicht mit dem Presse Grosso zusammen, so dass selbst solch skizzierte Testversuche unerreichbar scheinen.

Discounter Penny zieht nun nach mit Presseregal

Der Discounter Penny (Unternehmensgruppe Rewe) nimmt 50 Presszeitschriften in sein neues Presseregal auf. Das Sortiment aus Zeitschriften und Zeitungen wird bundesweit in rund 2.000 Filialen zu finden sein. Von den Fernsehzeitschriften wie die TV Spielfilm oder Frauenzeitschriften wie Brigitte bis zu Jugendzeitschriften sind alle wichtigen Publikumszeitschriften vorhanden. Natürlich fehlt auch nicht die Bild Zeitung sowie regionale Tageszeitungen im Angebot.

Abschließend sei gesagt, dass noch nicht das letzte Wort zu diesem brisanten und spannenden Thema gesagt wurde. Ich werde Sie selbstverständlich zum Thema "Discounter Zeitschriften" auf dem Laufenden halten.